Auf der Flucht



Kapitel 18




Ben hatte recht behalten, nur eine Stunde nachdem Derek als Ben im Hotel eingecheckt hatte, klingelte das Telefon. Sofort wollte Derek nach dem Hörer greifen, doch Ben legte seine Hand auf die seines Bruders.
„Lass mich rangehen.“
Derek nickte. „Ja, das ist vielleicht besser.“
Ben hob den Hörer ab. „Ja?“
„Hallo Conaill“, hörte er eine altbekannte Stimme am anderen Ende. „Nette Reise gehabt?“
„Ich denke, wir können uns den Smalltalk ersparen, Tamory“, erwiderte Ben. „Lass uns lieber gleich zur Sache kommen.“
Patrick Tamory lachte. „Wie immer verlierst Du keine Zeit. Bei dem Mädchen hast Du ja auch nicht lange gezögert.“
Wütend schloss Ben einen Augenblick die Augen. „Meg hat mit der ganzen Sache nichts zu tun. Das betriff nur Dich und mich.“
„Irrtum, erstens hat die Kleine etwas gesehen, was sie lieber nicht hätte sehen sollen und zweitens hat sie sich mit Dir eingelassen“, wandte Tamory ein. „Aber ich bin bereit, die Kleine gehen zu lassen, wenn ich Dich dafür bekomme.“
„Wenn Du Meg gehen lässt, bin ich bereit, Dir gegenüber zu treten.“
Patrick lachte auf. „Langsam, langsam Conaill, die Bedingungen stelle ich hier.“
„Und wie sehen die aus?“ wollte Ben wissen.
„Komm morgen Mittag um 12 nach Cloghan Point raus. Ich werde dort sein.“
Bevor Ben etwas erwidern konnte, hörte er ein Klicken im Hörer.
Erwartungsvoll sah Derek seinen Bruder an. „Und?“
„Morgen Mittag will er mich auf Cloghan Point treffen“, antwortete Ben.
Derek fuhr sich mit der Hand durch die dunklen Haare. „Und wie sieht Dein Plan nun aus?“
„Du nimmst Dir morgen Mittag ein Taxi und fährst an meiner Stelle hin“, erklärte Ben. Nervös begann er im Zimmer auf und ab zu gehen. „Natürlich werde ich schon vor Dir dort sein.“
Derek ging zur Bar hinüber und goss sich großzügig Whisky in ein Glas ein. „Auch einen?“
Ben schüttelte seinen Kopf. „Nein, ich brauche einen klaren Kopf.“
Derek setzte das Glas an und kippte den Alkohol mit einem Zug hinunter. Dann sah er seinen Zwilling an. „Dann soll ich also die Zielscheibe spielen?“
Ben schüttelte seinen Kopf. „Nein, den Köder. Tamory weiß nichts von Dir, also haben wir den Überraschungsmoment auf unserer Seite.“ Ben ging auf seinen Bruder zu. „Derek ich rechne es Dir hoch an, wenn Du mir bei dieser Sache hilfst.“
Derek legte seinem Bruder die Hand auf die Schulter. „Hey, wozu sind den Brüder da?“
Ben konnte nun nicht anders und umarmte Derek. „Danke, Du glaubst gar nicht, wie sehr ich Dich vermisst habe.“
„Doch, ich habe Dich mindestens genauso sehr vermisst. Also wie sieht Dein Plan weiter aus?“
„Ich weiß, dass Patrick Tamory seine Rache auskosten will. Er wird mich, beziehungsweise Dich nicht gleich über den Haufen schießen oder so. Ich muss nur den richtigen Moment abwarten und ihn dann überraschen.“
„Und wenn er nicht alleine kommt?“ wollte Derek wissen.
Ben schüttelte seinen Kopf. „Wenn überhaupt, dann wird nur sein Freund Kirian O’Hara ihn begleiten. Tamory hatte die Sache damals vermasselt, also fühlt er sich auch dafür verantwortlich und wird die Sache selber über die Bühne bringen, damit ihm seine Vorgesetzten seinen Fehler von damals verzeihen.“
Derek seufzte. „Ich hoffe, Du hast recht.“
„Vertrau mir, ich weiß was ich tue. Schließlich habe ich lange genug im Untergrund gearbeitet“, erwiderte Ben.
„Und was ist mit Deiner Freundin, die sie entführt haben? Glaubst Du er bringt sie mit?“ wollte Derek wissen.
„Nein“, Ben schüttelte seinen Kopf. „Das wird er sicherlich nicht machen. Aber ich hoffe, dass ich heute Nacht noch in Erfahrung bringen kann, wo sie Meg verstecken.“
Überrascht sah Derek Ben an. „Wie das?“
„Ich habe noch einige alte Kontakte hier und ich bin mir sicher, dass mir da jemand helfen kann.“
„Und warum benutzt Du die Kontakte nicht, um herauszufinden, wo Meg ist, damit wir sie befreien können und dann verlassen wir das Land wieder?“
„Weil Tamory und O’Hara uns dann weiter verfolgen würden. Und das für den Rest unseres Lebens. Und glaube mir, so ein Leben hatte ich in den letzten Jahren und ich will, dass das endlich aufhört. Wir müssen Tamory und O’Hara zuerst ausschalten und dann können wir uns um Meg kümmern“, erklärte Ben ruhig.
Nachdenklich nickte Derek. „Hört sich sogar irgendwie logisch an.“
Ben ging zur Verbindungstür. „Gut, dann werde ich jetzt gehen. Versuch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, damit Du morgen fit bist. Morgen früh schaue ich noch mal bei Dir vorbei.“
„Pass auf Dich auf Ben“, antwortete Derek.
„Das mache ich. Bis morgen dann.“ Ben schloss die Verbindungstür hinter sich.
Nachdenklich griff Derek wieder zur Whiskyflasche und füllte sein Glas erneut. Er konnte nur hoffen, dass Bens Plan aufging.



Druckbare Version
Seitenanfang nach oben