Auf der Flucht



Kapitel 19



„Kleine Sie haben ja wieder kaum das Essen angerührt.“ Briana schaute auf das Frühstückstablett, das sie vor einiger Zeit Meg gebracht hatte. Nur den Tee hatte die junge Frau getrunken.
„Ich habe keinen Hunger“, antwortete Meg.
„Sie sollten aber etwas Essen, damit Sie bei Kräften bleiben“, wandte Briana ein.
„Wie kann ich ans Essen denken, wenn der Mann, den ich liebe in Gefahr ist?“
„Ach Kleine, ich wünsche ich könnte Ihnen helfen, aber mein Bruder hat sich nun mal in den Kopf gesetzt, mit Conaill abzurechen. Und wenn sich mein Bruder erst einmal etwas in seinen irischen Dickschädel gesetzt hat, dann kann nichts und niemand ihn davon abbringen“, erklärte Briana.
„Dann hat ja doch alles keinen Sinn mehr“, seufzte Meg hoffnungslos auf. „Es sei denn, Sie helfen mir, hier zu entkommen.“
Briana schüttelte ihren Kopf. „Patrick ist mein kleiner Bruder. Ich habe ihn quasi aufgezogen, weil unsere Mutter kurz nach seiner Geburt starb, ich kann ihn nicht verraten.“
Meg drehte ihren Kopf zur Seite, damit die Frau ihre aufsteigenden Tränen nicht sehen konnte.
Briana nahm das Tablett in die Hand. „Mädchen ihnen wird nichts passieren, dass kann ich Ihnen versichern.“
„Und Ben?“
Briana zuckte mit den Schultern. „Das liegt nicht in meiner Macht.“

Derek rieb sich seine feuchten Hände an seiner Jeans ab. Er saß in einem Taxi und war auf dem Weg nach Cloghan Point um sich mit Patrick Tamory zu treffen. Ein wenig mulmig war Derek ja zu mute, aber er hoffte inständig, dass Ben wusste, was er tat.
„So, da sind wir“, brummte der Fahrer und brachte das Taxi zum stehen. „Soll ich auf Sie warten?“
„Nein“, Derek griff in seine Jackentasche und holte ein Bündel Geldscheine hervor. Er zählte kurz ein paar Scheine ab und reichte sie dem Fahrer. „Der Rest ist für Sie.“
Derek stieg aus und sah dem davon fahrenden Taxi nach. Dann schlug er den Kragen seiner Jacke hoch, um sich vor dem kalten Nieselregen ein wenig zu schützen. Was würde nun passieren? Würde dieser Patrick Tamory sich wirklich zeigen oder würde er irgendwo aus dem Hinterhalt auf ihn schießen?
Derek lief ein Schauer über den Rücken. Er hätte selber nicht sagen können, ob es aus Angst war oder von dem unangenehmen Wetter her rührte. Ein Geräusch ließ ihn herumfahren.
Hinter einem der Felsen traten zwei Männer hervor und kamen auf Derek zu.
„Sieh mal einer an, wen wir da haben. Conaill höchst persönlich.“
Derek musterte den Mann, der ihn angesprochen hatte ganz genau. Er hatte eine Narbe auf der Wange und nach Bens Beschreibung musste es Patrick Tamory sein. Der andere Mann war dann sicherlich sein Partner, Kiaran O’Hara.
„Ja, hier bin ich, ganz wie Du es wolltest“, antwortete Derek. Er war froh, dass die beiden Männer nicht hören konnten, wie sein Herz hämmerte. „Wo ist Meg.“
Patrick verzog das Gesicht zu einem Grinsen. „Langsam, langsam, ich möchte zuerst den Augenblick genießen.“
„Soll ich ihn kalt machen?“ wollte O’Hara wissen.
Patrick schüttelte langsam seinen Kopf. „Nein, noch nicht. Ich will dass er leidet. Schön langsam.“
„Ich kann ihm ja für den Anfang die Kniescheiben zerschießen“, schlug Kiaran vor.
„Macht mit mir was ihr wollt, aber lasst Meg gehen“, versuchte Derek es noch einmal.
Ein lauter Pfiff ertönte und Derek hätte am liebsten laut aufgejubelt. Hinter Patrick und Kiaran stand Ben.
Tamory und O’Hara fuhren beide herum und sahen Ben erstaunt an.
Derek nutzte die Gelegenheit und schlug Kiaran die Waffe aus der Hand.
Bevor Patrick etwas sagen konnte, schlug Ben zu. Nun entstand ein Kampf. Trotz seiner Körperfülle war O’Hara für Derek kein leichter Gegner. Er war ein geübter Kämpfer und wich Dereks Schlägen immer wieder aus.
Ben hingegen hatte mehr Glück. Es gelang ihm Patrick zu überwältigen. Schon nach wenigen Augenblicken, hatte er Tamory fest ihm Griff.
„Hör auf O’Hara oder ich breche Patrick das Genick.
Kiaran drehte sich zu Ben und Patrick um und sah, dass Ben seinem Arm um Patricks Hals gelegt hatte. Er wusste aus Erfahrung, dass es nur einer kleinen Bewegung bedurfte und das Genick seines Freundes wäre gebrochen.
Er hob die Hände hoch. „Okay, ich ergebe mich.“
„Gut“, nickte Ben. „Derek komm rüber hier. In meinem Hosenbund stecken Handschellen. Leg sie O’Hara um.“
Derek nickte und tat, was Ben verlangte.
Als Kiaran mit den Handschellen gefesselt war, nickte Ben Derek zu. „Und jetzt nimm seine Waffe und richte sie auf Patrick hier, bis ich auch ihm Handschellen angelegt habe.“
„Okay Ben“, mit zitternden Händen hob Derek die Waffe auf und richtete sie auf Patrick Tamory.
Mit wenigen Handgriffen hatte Ben auch ihm Handschellen angelegt. „Das war’s Patrick, das Spiel ist aus.“
Patrick grinste. „Noch nicht ganz, Conaill, Du hast immer noch nicht Dein Mädchen zurück und ich werde Dir auch nicht verraten, wo sie ist.“
„Das brauchst Du auch gar nicht“, antwortete Ben und holte ein Funkgerät aus der Tasche.
Er drückte den Knopf zum senden. „Alles okay, wir haben sie.“
„Roger, wir sind sofort da.“
Derek sah seinen Bruder fragend an, doch bevor er etwas sagen konnte, tauchten plötzlich wie aus dem Nichts mehrere Fahrzeuge und ein Hubschrauber auf.


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